Glaube
Leben
Bonuspunkte -
Liebe Gemeinde, mit der Bonuskarte beim Zahnarzt ging es
los,
mittlerweile bieten viele andere Geschäftsleute auch
so etwas an. Ob an der
Tankstelle, beim Pizzabäcker oder diversen Supermärkten
– auch mit der Lesekarte
von der „Freien Presse“ – überall
kann man sich einen Bonus verdienen. Bonus
verheißt etwas Gutes, einen Vorteil oder ein Vorrecht.
Ich gestehe, ich habe davon
kaum Gebrauch gemacht und mich so um Vergünstigungen
gebracht. Vielleicht ist
es Bequemlichkeit. Also, ich habe bisher nicht daran gedacht.
Andere sehen dies
ganz anders und achten schon darauf, nehmen weiteWege in
Kauf,umzur richtigen
Autowaschanlage, zu seinem Pizzabäcker oder ins Kaufhaus
zu gehen, wo es
Rabatte gibt. Das Gefühl sich so ganz nebenbei etwas
zu verdienen, muss ja nicht
schlecht sein. Ich werde mir doch die Vergünstigungen
nicht entgehen lassen. In
einem Gespräch wurde ich vor etlichen Monaten allen
Ernstes gefragt, ob man sich
das Leben mit Gott nicht verdienen müsse? Bonuspunkte
bei Gott – durch ihn ein
wohl gesonnenes Leben? Da wurde ich stutzig! Na ja, ein
schlechter Mensch bin
ich ja nicht, hab noch keinen umgebracht, bin soweit ehrlich,
beteilige mich selten
amGeschwätz anderer Leute und außerdem gehe ich
regelmäßig…
Da ging mir auf, wie man (natürlich unbewusst) auch
bei Gott Bonuspunkte
sammeln möchte. Ich weiß aber, dass eben dieses
nicht geht, auch wenn es
verlockend ist. Das Bonussystem der Händler ist an
sich harmlos. Man darf sich nur
nicht davon beherrschen lassen. Sobald das geschieht, dass
man unter
Leistungsdruck steht und regelrecht Angst verspürt,
etwas zu verpassen, dann ist
das ein viel zu hoher Preis. Und in der Tat schenken die
einem nichts. Gott aber
schenkt alles. Bei ihm kann und muss ich mir nichts verdienen.
ER will mich ja
gerade aus der Angst und von der Sorge befreien, dass ich
etwas verpassen könnte.
ER lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen
und Guten und lässt regnen über
Gerechte und Ungerechte (Matth. 5, 45). Das Befürchtete
tritt nicht immer ein.
Unerwartete Hilfe geschieht. So genannte „Zufälle“
schaffen Erleichterung. Durch
manche Gefahr schreite ich unbeschädigt hindurch ohne
dass ich es mir verdienen
könnte. Es gibt doch einen Regisseur in unserem Leben,
der manchmal seine Hand
dazwischen hält. Und er tut dies nicht aus einer Schenkerlaune
heraus, sondern aus
Gnade.Wir kommen von Ostern her und gehen auf Pfingsten
zu. Christen feiern die
frohen 50 Tage dazwischen. Jesus Christus – gekreuzigt,
gestorben und auferweckt
– hält für uns den einzigen echten Bonuspunkt
bereit. So wie die entscheidenden
Dinge unseres vergänglichen Lebens nicht unser Verdienst,
sondern Geschenk
sind, so ist es auch mit unserem Glauben. ER ist Geschenk.
„Aus Gnade seid ihr
gerettet worden durch den Glauben und das nicht aus euch:
Gottes Gabe ist es.“
(Eph. 2, 8) In diesem Sinne wünsche ich eine gute Zeit,
ein gesegnetes Osterfest
und guteWochen in der nachösterlichen Freudenzeit.
Pfr.Wolf-DieterVogel